Gesellschaft für Bibliodrama

Angela Rosenthal-Beyerlein +

geboren am 5. Februar 1956, gestorben am 20. April 2020

Ich kenne Angela lange. In den achtziger Jahren sind wir uns begegnet in Initiativen gegen AKWs und in der Friedensbewegung. Aber richtig kennen gelernt habe ich sie dann ab 1992. Wir begannen beide den Grundkurs im Bibliodrama bei Heidemarie Langer. Ich sehe sie noch vor mir. In einem Spiel, ich weiß nicht mehr zu welcher Geschichte. Sie war schwanger geworden, saß auf einem Stuhl, hochschwanger, aufgerichtet, in sich ruhend, ganz klar, ganz stark.

Einmal im Jahr kamen wir nach Abschluss wieder für eine Woche zusammen, um die Kunst des Prozessleitens im Bibliodrama zu lernen. Und mehrmals im Jahr trafen wir uns in der Hamburger Regionalgruppe zum Bibliodrama. 2002 wurden wir dann beide nach Abschlusskolloquium von Heidemarie Langer als Bibliodramaleiter und –leiterin zertifiziert.

Seit 2001 war Angela meine Leitungspartnerin in den Workshops auf den Kirchentagen, zuletzt 2017 in Berlin. Wir verstanden uns gut im gemeinsamen Leiten, wir haben uns ergänzt. Ich neige manchmal zur Improvisation, Angela hielt die Struktur. In der Vorbereitung fragte sie sehr genau, wie etwas funktionieren kann, und deckte Schwachpunkte in der Planung auf. Es war immer sehr schön, sie zu den Vorbereitungen zu besuchen. Sie hatte den Tisch gedeckt, nicht überladen, ganz ästhetisch mit schönem Porzellan. Es gab starken, heißen sehr guten Kaffee und feines Gebäck. Sie liebte das Schöne, Singen, Musik. Sie spielte Geige in einem klassischen Streichquartett.

Als ich Angela kennenlernte, war sie Gemeindepastorin an der Apostelkirche in Hamburg-Eimsbüttel. Eimsbüttel ist ein alter Arbeiterstadtteil, der sich trotz Gentrifizierung seine soziale Vielfalt erhalten hat. Die Kirchengemeinde hat in ihrer Arbeit ein deutlich soziales und politisches Profil. Das passte zu ihr. Als sie einen Stellenwechsel anstrebte, verschwand sie nicht im mittleren Management der Kirche, sondern blieb der Gemeindearbeit treu. Bezeichnender Weise wurde es wieder ein alter Arbeiterstadtteil, Hamburg-Barmbek. Sie wurde Pastorin an der Kreuzkirche, in der ein neues Konzept gemeindlicher Arbeit praktiziert wird: als Stadtteilarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern, u.a. Bücherhalle, Erziehungsberatung, Seniorentreff, Gastronomie. Und integriert in dieses neugebaute Haus sind die Wohnungen und Büros der Pastorinnen und Pastoren. So lebte und arbeitete sie mittendrin, mit den Menschen.

Sie war eine Frau mit den Füßen fest auf dem Boden, verwurzelt. Und zugleich verbunden mit dem Großen, Allumfassenden. Sie machte eine Fortbildung als geistliche Begleiterin beim Gemeindedienst der Nordkirche. Zu ihr gehörte immer beides: das reale Leben und die spirituelle Dimension. So verstanden wir auch unser Bibliodrama als Hinführung zur Bedeutung des Textes für sich selbst und die eigene theologische Erkenntnis und genauso für die politischen und sozialen Fragen unserer Zeit. Wenn sie Körperarbeit anleitete, war es immer diese Basisübung: Stehen, verbunden mit dem Boden, der Erde; ausgestreckt nach oben, zum Himmel; in der Mitte, dazwischen: das Ich - atmend, getragen und erfüllt.

Gerriet Heinemeier

 


 

Angela Rosenthal-Beyerlein

Sie wirkte eher zurückgenommen, still. Doch ihre Ausstrahlung und ihre ganz eigene Weise, sich einzugeben, war voller Kraft. Sie war Menschen von Herzen zugewandt und eine Pastorin, die mit innerer Leidenschaft und Klugheit Botschaften der Schriften aussagte und lebte. So auch im Bibliodrama und in der Meditation.

Ich durfte sie in einer meiner ersten Bibliodrama-Ausbildungen im Norden kennenlernen; dann in Prozessbegleitungen, Wegen im Diskurs und Bibliodrama, Wegen in der Schöpfungs-Spiritualität. Sie gab sich ein und gab weiter. In Werkstätten und unterschiedlichen Gruppen lehrte und lebte sie, was ihr unverwechselbar wert und kostbar war – in der Natur, in der Stille, in Musik und in Bibliodrama-Wegen der Begegnungen.

Über die Jahrzehnte wurden wir Freundinnen. Auch in den vielen Monaten ihrer Krankheit konnten wir uns nahe sein -bittend, zweifelnd und immer wieder hoffend. Sie wollte leben, kämpfen - und sich überlassen. Welche Größe ihrer Liebe!

Der Vers, der über ihrer Traueranzeige steht, spricht von der Größe und dem Glauben dieser wunderbaren Frau und ihrem Leben:

„Du großes Geheimnis,
Quellgrund unseres Lebens,
Meer, dem alles zuströmt!
Nun ist sie zu dir gekommen.“

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Wir trauern und danken.
Wir danken und bitten um den lichten Weg ihrer Seele.

Heidemarie Langer